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Menschen mit polnischer Zuwanderungsgeschichte

In Deutschland lebende Menschen mit polnischem Migrationshintergrund bilden in der Bundesrepublik die zweitgrößte Gruppe von Menschen mit einer Migrationserfahrung. 2015 waren in Deutschland 1,7 Millionen Menschen mit einem polnischen Migrationshintergrund registriert (Bundeszentrale für politische Bildung). Die letzte größere Zuwanderung erfolgte aufgrund der Aussiedlermigration zwischen 1949 und 1990.

Trotz der geografischen und kulturellen Nähe zu Deutschland gibt es auch bei Menschen mit polnischem Migrationshintergrund kulturspezifische Besonderheiten, deren Berücksichtigung den Alltag in der Unterstützung und Betreuung erleichtern kann.

Geschichte

Die erste große Zuwanderungsbewegung geht bis in das 18. Jahrhundert zurück. Vor dem zweiten Weltkrieg lebten auf dem Gebiet des Deutschen Reichs vier Millionen polnisch-sprachige Menschen.

Im 20. Jahrhundert sorgten die Auswirkungen des zweiten Weltkriegs für eine erneute massive Migrationsbewegung.
Während des Krieges leisteten 2,8 Millionen Polinnen und Polen unter dem nationalsozialistischen Regime Zwangsarbeit. Zusammen mit den vielen polnischen Überlebenden der Konzentrationslager lebten nach Kriegsende circa 1,7 Millionen Polinnen und Polen in den alliierten Besatzungszonen. 80 000 davon blieben dauerhaft.

In der jüngeren Vergangenheit fand die größte Zuwanderung im Rahmen der Aussiedlermigration aus Polen statt. Circa 1,4 Millionen Menschen migrierten zwischen 1949 und 1990 nach Westdeutschland. Die Aussiedlerinnen und Aussiedler oder ihre Nachkommen fühlten sich zur deutschen Nation zugehörig. Sie hatten 1937 innerhalb der Reichsgrenzen gelebt oder sich in den von Deutschland besetzten Gebieten in die Deutsche Volksliste eingetragen. Dies führte  nach dem 2. Weltkrieg zu einem Anrecht auf die deutsche Staatsangehörigkeit. Die politischen Repressionen und die schlechte wirtschaftliche Lage in der sozialistischen Volksrepublik Polen führten in den 1980er Jahren zur weiteren Flucht von 200 000 Polinnen und Polen nach Westdeutschland.

Menschen mit polnischem Migrationshintergrund in Deutschland bilden aufgrund der unterschiedlichen sozialen Herkunft und Zuwanderungsgeschichte eine heterogene Gruppe. Ihre Mitglieder sind im Vergleich zu anderen Zuwanderergruppen überdurchschnittlich gut in den Arbeitsmarkt und die Gesellschaft integriert. Insbesondere bis zum Beginn des 21. Jahrhunderts versuchten viele polnisch-stämmige Migrantinnen und Migranten durch die Anpassung an die autochthone Gesellschaft Ausgrenzung und Stigmatisierung zu vermeiden. Das starke Integrationsstreben wurde neben der kulturellen Nähe der beiden Länder auch durch die Bildungsbemühungen vieler Polinnen und Polen verstärkt.

Soziale Beziehungen

Unter den eingewanderten polnisch-sprachigen Mitbürgerinnen und Mitbürgern hat die Familie einen hohen Stellenwert. Ältere Menschen genießen großen Respekt. Der Wunsch und die Erwartung, einmal durch Familienangehörige gepflegt zu werden, sind verbreitet.

Religion

Der Katholizismus ist die größte religiöse Instanz unter polnisch-sprachigen Menschen. Über 87 Prozent der Polinnen und Polen sagen von sich, dass sie katholisch sind. Viele Menschen mit polnischem Migrationshintergrund, die in Deutschland leben, sind praktizierende Christen.

Die Marienverehrung spielt bis heute in Polen eine wichtige Rolle. Diese findet beispielsweise in den Wallfahrten zur berühmten Schwarzen Madonna von Tschenstochau ihren Ausdruck: Man geht zur Mutter, wenn man Not hat oder Sorgen. Die schwarze Madonna erhört die Fürbitten und sie hilft – davon zeugen die vielen Berichte über Wunder und die Dankesgaben in der Kapelle.

Essen und Trinken

Die polnische Küche ist sehr herzhaft. Fleisch und Fisch werden pro Kopf in großen Mengen zubereitet und verzehrt. Schon ein polnisches Frühstück ist reichhaltig und besteht zum Beispiel aus reichlich Rührei, Wurst, Käse und biały ser, einem speziellen Quark. Auch Suppen und Eintöpfe werden sehr gerne gegessen. Insbesondere bei warmen Mahlzeiten gehört eine Vorsuppe zum guten Ton.

Als polnisches Nationalgericht wird Bigos betrachtet, welches sich in fast jeder polnischen Küche finden lässt. Hierbei handelt es sich um einen kräftigen Schmoreintopf aus Weißkohl, Rind- und Schweinefleisch, diversen Wurstsorten, Pilzen, Tomatenmark und Lorbeerblättern. Je nach Region, gibt es viele weitere lokale Spezialitäten und Gerichte.

Besonders beliebt in der polnischen Küche sind außerdem folgende Gerichte:

  • Barszcz czerwony: (Vor-)Suppe auf der Grundlage von roter Beete
  • Chlodnik (litewski): eine Suppe aus kaltem Joghurt und Rote-Rüben-Suppe mit gekochtem Ei
  • Żurek: Saure Mehlsuppe mit Kartoffeln oder Eiern, wird manchmal im Brot serviert
  • Smalec: Schmalz, wird oft auf Brot gestrichen als Aperitif serviert
  • Pierogi: kleine Maultaschen mit Fleisch-, Quark-, Pilzen oder Heidelbeerfüllung
  • Gołąbki: „kleine Tauben“ – geschmorte oder gebratene Kohlrouladen mit einer Füllung aus Hackfleich und Reis oder Buchweizen gefüllt, zu der häufig eine Pilz- oder Tomatensauce gereicht wird
  • Sztuka mięsa w sosie chrzanowym: gekochtes Fleischstück im Meerrettichsoße
  • Faworki: frittiertes Gebäck

Kaffee hat in Polen einen vergleichswerse geringen Stellenwert. Häufig wird schwarzer Tee getrunken, der gerne mit etwas Zitronensaft und Zucker verfeinert wird.
Ein weiteres beliebtes alkoholfreies Getränk ist kompot - verdünntes Obst-Kompott im Glas.

Quellen und weitere Informationen

Quellen:

weitere Informationen:

  • Loew, Peter Oliver: Wir Unsichtbaren. Geschichte der Polen in Deutschland. C.H. Beck 2014